Die unerträgliche Seichtigkeit des lifestyle-Artikels

Veröffentlicht auf von open 4 life

Immer wieder erstaunlich: Man surft im Internet, stößt auf irgendeiner Seite auf irgendeine Schlagzeile und denkt, wow, offenbar gibt es neue Erkenntnisse zu diesem oder jenem Thema. Warum das solange gedauert hat, bis darüber endlich mal Klartext geredet wird, fragt man sich dabei. Und klickt dann auf den Link. In meinem Fall versprach dieser eine Hilfestellung in Sachen: Liebesmonat Mai — So zeigen Sie ihre Gefühle.

Durchaus ja in meinem Interesse, dieses Thema. Schreib ich ja hier drüber. Und fällt es doch vielen Menschen schwer, ihre Gefühle wahrzunehmen, geschweige denn, sie anderen in einer erotisch aufgeladenen Atmosphäre auch noch zu zeigen. Für manche ein Ding der Unmöglichkeit. Aber, so denkt man dann beim Surfen, ab jetzt nicht mehr. Dieser Artikel verspricht ja Linderung und beschreibt, wie sowas geht.

Ach ja, tut er das? In meinem Fall war die Enttäuschung hinterher so groß wie die Vorfreude vorher. Fünf Stichpunkte, die alle nicht länger sind als, ähm, zwei Sätze. Mager, echt mal. Hin und wieder inspirieren einen solche Artikel ja wenigstens und man macht sich seine eigenen Gedanken, wenn der Text nicht viel her gibt, aber diese fünf Tipps, wie man seine Gefühle zeigen kann sind platter als platt und scheinen nicht im Frühling, sondern in einer geistigen Eiszeit des Autors geschrieben worden zu sein:

Tipp 1: Stichwort Frühlingsduft: Schenken Sie Parfum!
Schenken Sie doch einfach Parfum. Und alles wird gut.
Wie einfallsreich.

Tipp 2: Stichwort: Tanz in den Frühling: Besuchen Sie gemeinsam eine Tanz-in-den -Mai-Veranstaltung!
Was das jetzt mit Gefühle-Zeigen zu tun hat, muss ich erst noch herausfinden.

Tipp 3: Stichwort Maiglöckchen: Pflücken Sie einen Strauß Maiglöckchen!
Siehe Punkt 1.
An sich und ansonsten aber eine schöne Sache, ganz klar.

Tipp 4: Stichwort Maikönigin: Beten Sie ihre potentielle neue Partnerin an!
Und sie wird sich sofort Fluchtmöglichkeiten überlegen. Kein Mensch will auf die Dauer ernsthaft von jemand anderem angebetet werden. Menschen wollen sich auf gleicher Augenhöhe begegnen. Respekt bedeutet, jemanden so zu sehen, wie er oder sie ist. Jemanden anzubeten heißt deswegen nicht viel mehr, als ihn oder sie zu verkennen. Niemand will das. Auf die Dauer geht das nicht gut. Und an den Anfang einer Beziehung gehört es schon mal gar nicht.

Tipp 5: Beeindrucken Sie mit selbstgemixten Cocktails!
(Achtung Wortspiel, natürlich nicht irgendwelche Cocktails, sondern, ja ja, haha, Mai Thais. Nicht witzig? Stimmt.)
Ich fürchte auch, bei dieser vom Niveau her relativ niedrigprozentigen Auswahl sollte man vielleicht besser gleich mit dem letzten Punkt beginnen. Ein hochprozentiger Cocktail lässt einen vielleicht die Enttäuschung vergessen, die man ganz sicher haben wird, wenn man versucht, mit Hilfe solcher Albernheiten seine Gefühle auszudrücken.

Fazit: Machen Sie alles doch einfach so, wie Sie es bislang kannten.
Danke, für die Hilfe. Und all das.
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Veröffentlicht in Flirten

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