Speed-Dating
Eine skurrile Form des Kennenlernes in der heutigen Zeit ist ja wohl das Speed-Dating. Im Grunde genommen will ich bei so einem Begriff gleich schon ansetzen und lospoltern, also das geht ja wohl gar nicht, unsere Zeit ist schon schnellebig genug und um jemanden kennen zu lernen, muss man sich doch bitteschön ausreichend Zeit nehmen etc., aber ... Vielleicht birgt das Speed-Dating ja auch Vorteile. Muss man sich wohl mal ausreichend Zeit nehmen, um darüber nachzudenken.
Da kommt also eine Anzahl von Singles zusammen, um am Ende des Abends als Nicht-Singles zu gehen. Oder zumindest jemanden in Aussicht zu haben, der ihnen bei der Änderung ihres Status´ behilflich wäre. Gut ist schon mal, dass alle Beteiligten die gleiche Absicht haben, wegen der sie zusammen kommen. Im richtigen Leben (dem Gegenteil vom Second Life, falls sich noch jemand erinnert) ist das ja oft anders. Da verlassen Leute abends die Wohnung, weil ihnen 1. dieselbe auf den Kopf fällt oder 2. weil ihr Partner/ihre Partnerin sie nervt oder 3. weil aufgeräumt werden müsste oder 4. weil sie tanzen wollen oder 5. weil sie etwas trinken wollen oder 6. weil sie etwas essen wollen oder 7. weil sie einfach nur Zeit mit Freunden verbringen wollen etc. To be continued. Natürlich geht man auch aus, weil man einen Mann oder eine Frau kennenlernen möchte, aber der Prozentsatz unter den Weggehenden dürfte, bezogen auf diesen Punkt, schon mal deutlich geringer sein, als z. B. bei einer Veranstaltung, wo Speed-Dating geboten wird. Soweit, so gut also.
Im Regelfall läuft so ein Abend dann ja so ab, dass kurz die Regeln und der Ablauf erklärt werden und dann geht’s los. Die Leute werden einander gegenüber platziert, immer zwei zusammen versteht sich, männlich und weiblich und dann haben sie in etwa 5 Minuten Zeit, sich kennen zu lernen. Bis gewechselt wird und der nächste Bewerber, die nächste Bewerberin dran ist. 5 Minuten Zeit für mein Haus, mein Auto, mein Boot. So ungefähr jedenfalls. Vielleicht noch mein Hobby, meine Wohnung, mein Job, meine Zukunftspläne. Und das dann mehrmals am Abend, je nach Anzahl der Teilnehmenden. Das Ganze erinnert vielleicht ein bißchen an Fließbandproduktion oder an eine Sushi-Bar, wo die Sushi-Portionen auf einem Laufband an den Leuten vorbeifahren. Die Leute machen sich dann zwischen den einzelnen Date-Häppchen kurze Notizen, vor allem schreiben sie auf, ob sie die Person wiedersehen möchten oder nicht. Diese Notizen werden hinterher ausgewertet und zwischen denjenigen, bei denen die meisten Übereinstimmungen und die meiste Sympathie zu sehen war, wird Kontakt hergestellt. So funktioniert das, das Speed-Dating.
Einerseits mutet diese Form der Partnersuche jetzt mal wieder irgendwie an wie etwas, das unsere Zivilisationskrankheiten eher zementiert, als sie zu behandeln. So von wegen, kann alles gar nicht schnell genug gehen und mitnehmen, was geht. Oder so ähnlich. Einerseits.
Andererseits kann Speed-Dating Leuten helfen, die große Schwierigkeiten haben, einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Jemand mit Hemmungen wird viel eher und leichter Kontakt aufbauen, wenn er oder sie weiß, dass das Ganze nur ein paar Minuten lang geht. Die Unverbindlichkeit machts. Es droht bei dieser Form des Dates nicht, dass ein langer, langer Abend mit einer fremden Person vor einem liegt, der sich immer weiter dehnen wird, je weniger man zu erzählen weiß. Alles ist nach 5 Minuten erstmal vorbei. Dann kann aufgeatmet werden. Das scheint mir der große Vorteil hierbei zu sein.
Und wenn so jemand dadurch einen neuen Partner oder eine Partnerin gefunden hat, ist doch eigentlich alles gut. Hauptsache, er oder sie verliert den Neuen, die Neue dann nicht wieder so schnell, wie es beim Kennenlernen ging.
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