Eifersucht, der Mercedes Benz unter den Beziehungsproblemen

Veröffentlicht auf von open 4 life

Eifersucht.

Im Grunde genommen ist es ja ein schönes Gefühl - die Gewissheit oder das Gefühl, jemand mag einen so sehr, dass er oder sie einen am Liebsten mit niemandem teilen möchte.

Im Grunde genommen.

In der Praxis sieht die Sache schon mal wieder ganz anders aus. Eifersucht gehört wahrscheinlich zu den komplexesten und schwierigsten Themen überhaupt innerhalb von Beziehungen und wohl alle haben irgendwann im Lauf ihres Lebens schon mal Bekanntschaft gemacht mit Eifersucht - der "Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft" (Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher).

Einerseits also ein recht angenehmes Gefühl - es streichelt wohl auch ein bisschen das eigene Ego - andererseits manchmal die Hölle für diejenigen, die die Eifersucht aushalten müssen - und damit natürlich auch den Partner belasten können.

Das Problem mit der Eifersucht ist wohl, dass sie sich kaum stillen lässt. Vom Prinzip her ungefähr so wie eine Fata Morgana in der Wüste: Erst träumt man von ihr, dann stellt man sie sich bildlich vor, wenn man wach ist, dann immer mehr, immer intensiver und irgendwann beginnt man sie tatsächlich zu sehen, erst ganz weit weg, dann immer näher, immer näher und dann ganz nah - und dann ist sie plötzlich nicht mehr da.
War nie da.
War immer nur Einbildung. Ein ganz normaler Vorgang in der Wüste. Hitze flimmert eben und sieht von Weitem aus wie ein erfrischender, eiskalter See. Den Rest erledigt die Einbildungskraft und erschafft zusätzlich noch Deko (Palmen etc.). Das wars.
Wer sich zu sehr von dieser Illusion hat leiten lassen, wird verdursten.

Auf das Leben übertragen heisst das ungefähr:
Zuerst träumt man nur schlecht davon, dass der Partner z. B. jemand anders kennen lernen könnte. Ein Traum oder eine diffuse Vorstellung, dunkel irgendwo tief versteckt im Hinterkopf. Abstrakt.
Dann beginnt man, es sich etwas konkreter vorzustellen: "Oh Gott, vielleicht hat er ja was mit einer aus der Firma ..." Und immer konkreter: "Vielleicht ja mit Frau Schumacher, die er mir doch beim letzten Betriebsfest so schwungvoll vorgestellt hat ... Eigentlich haben die doch gar nichts miteinander zu tun, in der Firma. Und doch scheinen sie sich sehr gut zu kennen. Und zu mögen ja wohl auch ..." Bis schließlich die Einbildungskraft die Szenerie im Kopf mit Deko ausstattet: "Wahrscheinlich verabreden sie sich in der Mittagspause, da sind sie ungestört ...", oder: "Riecht er heute nicht ganz anders als sonst? Das muss ihr Parfum sein ..."
Schließlich gewinnt der Durst nach Wissen über den Partner die Oberhand und es werden zunächst erst kleine Versuche unternommen, die Wahrheit heraus zu finden und die mit der Zeit immer komplexer werden können. Immer zeitraubender. Immer dominanter. Irgendwann ist die vage Vermutung zur Überzeugung geworden. Jetzt ist man sich sicher, es kann keinen Zweifel mehr geben ...
Das Vertrauen ist dahin, Beteuerungen werden nicht mehr geglaubt, irgendwann fühlt sich der Partner kein bisschen mehr geschmeichelt, sondern eher eingemauert.
Alarmstufe rot in der Beziehung.

Und der erfrischende, eiskalte See, der Linderung versprochen hatte und der in diesem Fall die Gewissheit ist, ob der Partner nun fremdgeht oder nicht, ist plötzlich nicht mehr zu sehen. Stattdessen steht man inmitten einer trostlosen Einöde aus Sand, den der Wind verweht.
Den See gab es nie. Und so gibt es höchstwahrscheinlich auch nie absolute Gewissheit, was den Partner angeht.
Man wird damit leben müssen. Und dem Partner vertrauen. Vertrauen ist eine gute Basis.
Und Eifersucht ist die Schaufel, die diese Basis langsam aber sicher untergraben kann. Bis sie brüchig wird.

Bloß, wo fängt Eifersucht eigentlich an? Wo hört sie auf? Was gehört dazu, was ist legitim, was nicht? Gibt es dazu überhaupt allgemeingültige Antworten?

Ich werde mich in dieser Woche mit ein paar von diesen Fragen beschäftigen.
Mich interessiert aber vor allem, wie die Leser es sehen.
Wie gehen Sie mit Eifersucht um?
Oder geht die Eifersucht mit Ihnen um?

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Veröffentlicht in Partnerschaft

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