Und früher war doch längst nicht alles besser
Gestern noch hatte ich arg gejammert über unsere Zeit. Alles so schnellebig. Jetzt gerade denke ich zwei Sachen, erstens, nicht alles ist schlecht; ich meine, hatte ich ja gestern auch gar nicht so gesagt, aber jedenfalls, es gibt doch noch Bastionen des Guten. Z. B. jene Ausnahmeregelung, die besagt, dass Worte, in denen eigentlich drei Konsonanten aufeinander folgen müssten, nur zwei brauchen, wenn sie denn von jeweils einem Vokal eingeschlossen werden. So der Fall bei schnellebig und dafür bin ich dankbar. Katastrophal manche Konstruktionen, mir persönlich oft ein Dorn im Auge. Schnelllebig. Grenzt ja fast an schnellllebig. Reizend wie ein Würgereiz.
Die andere Sache ist die, dass ich mir dachte, in mancherlei Hinsicht ist die Beschleunigung unserer Welt ja gar nicht so übel. Geht es heute nicht auch einfacher, Leute kennen zu lernen? Ist so mein Eindruck; warum und wieso genau, kann ich gar nicht sagen.
Jedenfalls habe ich heute Vormittag in Thomas Manns Zauberberg gelesen. Neulich hatte ich mich ja bereits schon mal äußerst kitschig und verklärt über eines meiner Lieblingsbüchher geäußert, Proust und die Suche nach der verlorenen Zeit, Sie erinnern sich? "Sie kennen doch Proust — oder etwa nicht?" "Doch na klar, ist das nicht etwas zu essen?" Eine weitere begrüßenswerte Entwicklung der gegenwärtigen Zeit ist übrigens auch noch die Erlaubnis, ausgewählte Anglizismen benutzen zu dürfen.
Anyway also.
Zur Zeit der Entstehung des Zauberbergs war es noch deutlich schwieriger, so mein Gefühl, Partnerschaften aufzubauen. Beziehungen galten noch viel mehr als heute als Versorgungseinrichtung o. ä. Und man blieb sowieso unter sich. Ich denke, es war früher, also vor einem Jahrhundert, noch relativ ausgeschlossen, dass die Menschen, wie heute erstmal fünf, sechs Beziehungen führen, bis sie sich fester binden. Unsere heutige Zeit erlaubt uns also zumindest, uns umzuschauen, uns auszuprobieren etc. Was man natürlich wieder als Schnellebigkeit mit oder ohne drei l kritisieren könnte, bedeutet doch aber auch eine Art von Befreiung. Ich meine, man wächst doch an jeder Beziehung, findet mehr über sich heraus und was man so braucht und wie man sich das alles vorstellt.
Überhaupt, die Leute haben damals noch ein Heidenbrimborium um das Kennenlernen gemacht. Hans Castorp z. B., der Held des Zauberberg, einem Sanatorium im schweizerischen Davos für gutbetuchte Kranke und die, die es werden wollen, verguckt sich irgendwann in eine gewisse Mitpatientin, Madame Chauchat. Schön, für ihn. Für den mit wenig Lust an auschweifendsten Erzählpassagen ausgestatten Leser (hm, welcher den Zauberberg dann eigentlich aber sowieso lieber nicht lesen sollte) eine, ja, eine Katastrophe. Hans Castorp braucht in etwa 300 Seiten lang, um sich endlich einmal der von ihm verehrten Russin mit französischem Namen anzunähern. Und wie er sich dabei anstellt ...Seiner Tischnachbarin z. B., die genau weiß, wie es um ihn steht in dieser Beziehung, täuscht er vor, er selber würde sich gar nicht für Frau Chauchat interessieren, seine Nachbarin hingegen aber wohl doch, obwohl beide wissen, wie es in Wirklichkeit ist. Er fängt dadurch ein Verwirrspiel mit ihr an, bei dem er all seine Zweifel, die er dann doch zwischendurch an Frau Chauchat hat, äußert, sie auch teilweise heruntermacht und entwertet, nur damit seine Tischnachbarin, Frau Stöhr übrigens mit Namen, ihm erzählen kann, was für eine tolle Frau Madame dann doch aber ist. Und nur so bekommt er nach und nach immer mehr Einzelheiten über die Angebetete heraus, eben weil Frau Stöhr stillschweigend das Spiel mitspielt.
Süß irgendwie das Ganze, aber auch unmöglich, das jetzt in voller Ausführlichkeit zu beschreiben.
Heute ginge das doch wohl um einiges einfacher. Stichwort: Einfach mal ansprechen die Gute. Was zwar schade ist, denn so wird man nie wieder so schöne auschweifende Beschreibungen lesen, wie manche Leute um potentielle Partner herumdrucksen, aber irgendwie ist es doch auch ganz gut so, wie es ist. Also, in diesem Punkt jetzt. Ach.
Whatever. Vielleicht versteht ja jemand, was ich meine zu meinen. Müde jetzt. Bett.
Die andere Sache ist die, dass ich mir dachte, in mancherlei Hinsicht ist die Beschleunigung unserer Welt ja gar nicht so übel. Geht es heute nicht auch einfacher, Leute kennen zu lernen? Ist so mein Eindruck; warum und wieso genau, kann ich gar nicht sagen.
Jedenfalls habe ich heute Vormittag in Thomas Manns Zauberberg gelesen. Neulich hatte ich mich ja bereits schon mal äußerst kitschig und verklärt über eines meiner Lieblingsbüchher geäußert, Proust und die Suche nach der verlorenen Zeit, Sie erinnern sich? "Sie kennen doch Proust — oder etwa nicht?" "Doch na klar, ist das nicht etwas zu essen?" Eine weitere begrüßenswerte Entwicklung der gegenwärtigen Zeit ist übrigens auch noch die Erlaubnis, ausgewählte Anglizismen benutzen zu dürfen.
Anyway also.
Zur Zeit der Entstehung des Zauberbergs war es noch deutlich schwieriger, so mein Gefühl, Partnerschaften aufzubauen. Beziehungen galten noch viel mehr als heute als Versorgungseinrichtung o. ä. Und man blieb sowieso unter sich. Ich denke, es war früher, also vor einem Jahrhundert, noch relativ ausgeschlossen, dass die Menschen, wie heute erstmal fünf, sechs Beziehungen führen, bis sie sich fester binden. Unsere heutige Zeit erlaubt uns also zumindest, uns umzuschauen, uns auszuprobieren etc. Was man natürlich wieder als Schnellebigkeit mit oder ohne drei l kritisieren könnte, bedeutet doch aber auch eine Art von Befreiung. Ich meine, man wächst doch an jeder Beziehung, findet mehr über sich heraus und was man so braucht und wie man sich das alles vorstellt.
Überhaupt, die Leute haben damals noch ein Heidenbrimborium um das Kennenlernen gemacht. Hans Castorp z. B., der Held des Zauberberg, einem Sanatorium im schweizerischen Davos für gutbetuchte Kranke und die, die es werden wollen, verguckt sich irgendwann in eine gewisse Mitpatientin, Madame Chauchat. Schön, für ihn. Für den mit wenig Lust an auschweifendsten Erzählpassagen ausgestatten Leser (hm, welcher den Zauberberg dann eigentlich aber sowieso lieber nicht lesen sollte) eine, ja, eine Katastrophe. Hans Castorp braucht in etwa 300 Seiten lang, um sich endlich einmal der von ihm verehrten Russin mit französischem Namen anzunähern. Und wie er sich dabei anstellt ...Seiner Tischnachbarin z. B., die genau weiß, wie es um ihn steht in dieser Beziehung, täuscht er vor, er selber würde sich gar nicht für Frau Chauchat interessieren, seine Nachbarin hingegen aber wohl doch, obwohl beide wissen, wie es in Wirklichkeit ist. Er fängt dadurch ein Verwirrspiel mit ihr an, bei dem er all seine Zweifel, die er dann doch zwischendurch an Frau Chauchat hat, äußert, sie auch teilweise heruntermacht und entwertet, nur damit seine Tischnachbarin, Frau Stöhr übrigens mit Namen, ihm erzählen kann, was für eine tolle Frau Madame dann doch aber ist. Und nur so bekommt er nach und nach immer mehr Einzelheiten über die Angebetete heraus, eben weil Frau Stöhr stillschweigend das Spiel mitspielt.
Süß irgendwie das Ganze, aber auch unmöglich, das jetzt in voller Ausführlichkeit zu beschreiben.
Heute ginge das doch wohl um einiges einfacher. Stichwort: Einfach mal ansprechen die Gute. Was zwar schade ist, denn so wird man nie wieder so schöne auschweifende Beschreibungen lesen, wie manche Leute um potentielle Partner herumdrucksen, aber irgendwie ist es doch auch ganz gut so, wie es ist. Also, in diesem Punkt jetzt. Ach.
Whatever. Vielleicht versteht ja jemand, was ich meine zu meinen. Müde jetzt. Bett.
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